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Fünf Robins sind nicht genug

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Titel: Robins – Being Robin (dt. Alle zusammen!)

Autor/Zeichner: TIm Seeley/Baldemar Rivas

Erschienen: 2022 (Miniserie #1-6), Paperback 2022; dt. Panini 2022


Warum sollte man eigentlich Robin-Comics lesen? Warum sich mit Sidekicks beschäftigen, wenn man einen Haupthelden, wenn man Batman haben kann? Warum etwas Nebensächliches zur Hauptsache machen, das von Anfang an nur dazu da war, damit Batman jemanden zum Reden hatte und die jungen Leser etwas zum Identifizieren?

Man kann zu dem Konzept Robin stehen, wie man will, es gehört von Anfang an zu Batman dazu und hat eine lange Tradition, die sich über mindestens fünf Charaktere erstreckt hat – von Elseworlds-Versionen abgesehen. Jeder hat seinen Lieblingsrobin. Und wahrscheinlich hatte deshalb auch jeder schon mal seine eigene Serie: Dick ist Nightwing, Jason ist Red Hood, Tim ist auf „Red Robin“ hängengeblieben, Stephanie ist Spoiler/Batgirl und Damian der Robin, der einmal Papa beerben wird und immer wieder Stunk mit ihm hat, wie zuletzt in Batman vs. Robin.

Und obwohl das zuletzt nicht das größte Lesevergnügen war, habe ich mal eine Ausnahme gemacht und der Miniserie Robins eine Chance gegeben. Immerhin versammelt sie alle fünf kanonischen Sidekikcs. Die Zeichnungen von Baldemar Rivas sind allzu glatt und gefällig, die Farben zu knallig, aber vielleicht hat uns ja Autor Tim Seeley etwas Neues zu sagen. Und so ein Teamtreffen birgt immer das Potenzial einer interessanten Story.

Der erste Robin: Jenny Wren

Doch weit gefehlt. Zunächst sind die fünf Helden verbündet in einer Mission gegen eine Bande von Terroristen, die sich von Anarky inspirieren ließ. Das hätte mal Potenzial, um etwas Interessantes zur Gesellschaft von heute zu sagen, erschöpft sich aber in Gemeinplätzen und ist auch keine allzugroße Herausforderung, daher schnell beendet. Dann taucht ein Kerl namens Declaine bei Dick Grayson auf und erzählt, aus Blackgate verschleppt worden zu sein, zusammen mit José Garzonas, Maat Shadid, Makenson Innocente (Obeah Man) – sie alle waren die ersten Gegner der Robins. Dahinter steckt eine junge Frau namens Jenny Wren, die behauptet, (fast) der allererste Robin gewesen zu sein. Und dahinter steckt Cormac Dodge, ein Entfesselungskünstler, der nun mit digitalem Spielzeug (Virtual Reality) reich geworden ist.

Die Robins müssen sich also mal wieder ihrer Vergangenheit stellen und ihre Rollen als Robin hinterfragen. Jeder darf sich zunächst in einer Art Gruppentherapie ausjammern, was ihm oder ihr das Sidekickdasein gebracht oder geschadet hat. Jeder hegt seinen Groll gegen Batman, steckt aber in der Rolle für immer fest. Es ist seit Jahren dieselbe Leier, die dazu dienen soll, ein fragwürdiges Konzept der Kindesgefährdung zu rechtfertigen. Später dürfen alle fünf in Virtual-Reality-Welten mal kurz durchspielen, wie ihre Leben ohne Robin-Rolle wären. Aber wirklich nur kurz und auch ohne tiefere Einsichten.

Benannt nach einem Rotkehlchen

Wenn man alle zusammen sieht, fällt erst auf, wie wenig sie sich unterscheiden und damit auch wie austauschbar sie alle sind. Die Jungs haben alle schwarze Haare, da braucht es schon Unterschiede in der Frisur, um sie auseinanderhalten zu können, im Kostüm sind Robin Damian und „Red Robin“ fast identisch. Hier wird Tim entführt und tauscht die Rolle mit Jason, indem er mit Mord liebäugelt. Um also interessant zu werden, müssen die Robins aus ihren Rollen fallen.

Doch ganz ohne den großen Mentor geht es nicht, deshalb kommt auch hier Batman vor, auch wenn seine Schützlinge dadurch mal wieder entmündigt werden. Denn obwohl die fünf Robins längst involviert sind, beschließt er auch hier wieder in alter Tradition, dass er (nach allem, was die Sidekicks mit ihm und allein durchgemacht haben!) den Fall alleine lösen müsse, nur um am Ende doch eines Besseren belehrt zu werden. Bestürzend, dass es den Autoren nicht langsam peinlich wird, dieses Klischee zu bemühen. Das Finale geht dafür aber wieder mal supereasy und der Endkampf läuft – mal wieder – auf Batman gegen Dick hinaus, weil Batman sich von einer Illusion blenden lässt …

Nachdem also Dick Grayson von einer eindimensionalen Figur seines Status als erster Robin beraubt wird (jedenfalls was Kandidatenstatus anbelangt), wird zum Schluss die Geschichte dann noch einmal umgeschrieben: Der Name Robin soll nicht mehr – wie in Detective Comics #38 – von Robin Hood, sondern aus einem alten Gedicht über Jenny Wren stammen. Der Vogel findet bei Bruce ein Nest … Kitschalarm!

Warum also Robin-Comics lesen? Dieser gibt jedenfalls keinen Grund dazu. Daher hören wir uns zum Schluss lieber etwas Schönes an: Über Jenny Wren hat Paul McCartney mal einen Song geschrieben.

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